Dass ich mich lange nicht zum Breithorn (4164 m) aufraffen konnte. Ich war vorher noch auf keinem Viertausender – außer auf dem Toubkal, auf den ich nicht einmal gestiegen bin ;) Daher wäre es schön gewesen, endlich einen zu besteigen, aber die Aussicht, stundenlang über Skipisten zu laufen, reizte mich nicht besonders. Im Nachhinein bereue ich es jedoch nicht. Ich habe neue Erfahrungen gesammelt und die Aussicht war trotz der Skipisten einfach grandios. 

Die erste Nacht verbrachten wir auf dem Furkapass. Das ist der höchste Alpenpass der Schweiz, den man mit dem Auto überqueren kann. Der höchste Punkt liegt auf 2436 m. Wir haben uns dafür entschieden, einerseits weil die Schweiz von Polen aus weit weg ist und man nicht an einem Tag nach Zermatt kommt, und andererseits um uns zu akklimatisieren.

Ich bin mir nicht sicher, wie es mit wildem Zelten in der Schweiz aussieht. Ich habe gehört, dass hohe Bußgelder von mehreren tausend Franken drohen, aber angeblich wird das Gesetz kaum angewendet. Auf dem Furkapass scheint es jedenfalls geduldet zu werden. Beim Hotel, bei dem wir angehalten haben, standen noch etwa 15 weitere Autos, die meisten Leute schliefen im Auto, aber es waren auch einige Zelte aufgebaut.

Furkapass

Gleich nach Sonnenaufgang sind wir aufgebrochen und weitergefahren, wobei wir kurz anhielten, um die wunderschöne Aussicht vom Pass zu genießen.

Furkapass

Nach der Ankunft in unserer Unterkunft – dem Campingplatz Attermenzen ein paar Kilometer vor Zermatt – machten wir noch eine kurze Wanderung. Am nächsten Tag starteten wir dann Richtung Breithorn.

Auf den Gipfel gelangt man auf verschiedene Weisen: Man kann mit der Seilbahn bis zum Klein Matterhorn auf 3820 m fahren, nur bis 1850 m oder 2900 m hochfahren, oder von Zermatt aus zu Fuß starten (ca. 1650 m). Wir haben uns für die letzte Variante entschieden.



Ursprünglich wollten wir im Rifugio Guide del Cervino übernachten. Das italienische Schutzhütte liegt genau auf der Grenze zur Schweiz auf dem Pass Testa Grigia (3480 m). Als wir hörten, dass eine Übernachtung 40 Euro kostet, begannen meine Freunde zu überlegen, ob wir nicht doch lieber Zelte mitnehmen sollten. Ich mag weder mit schwerem Rucksack laufen noch wild zelten, aber als ich hörte, dass man für 40 Euro nicht einmal duschen kann, war ich plötzlich auch fürs Zelt ;) Auf dem Weg liegt auch die schweizerische Gandegghütte auf 3000 m, dort kostet eine Übernachtung mit Halbpension jedoch 84 Franken.

Von Zermatt aus geht man zuerst zur Bergstation Furi. Der Weg führt auf einem schönen Pfad entlang der Seilbahn und zwischen den Häuschen hindurch.

Zermatt Furi
Zermatt Furi

Hinter Furi verläuft der Weg zunächst auf einer Skipiste bis ca. 2400 m.

Weg zum Breithorn

Erst oberhalb dieser Höhe wird der Weg zu einem normalen Bergpfad mit wunderschönen Ausblicken auf die umliegenden Gipfel, darunter unser Breithorn und der unverwechselbare Matterhorn.

Matterhorn
Weg zum Breithorn

Unterwegs machten wir Halt in der Gandegghütte. Ohne genau zu wissen, was wir bestellen, landeten wir bei normalen Käsesandwiches für 70 Franken. Nachdem wir uns am Breithorn sattgesehen hatten, gingen wir weiter zur Testa Grigia.

Breithorn

Hinter der Hütte führt der Weg kurz über Felsen und dann hinunter auf den Gletscher, wo man entlang des Skilifts geht. Besser ist es jedoch, direkt hinter der Hütte im Schnee neben dem Lift zu gehen. So sind wir zurückgegangen – zwar mit Wasser und Schlamm, aber wir haben den unangenehmen Abschnitt über loses Geröll umgangen.

Weg zum Breithorn
Weg zum Breithorn
Weg zum Breithorn

Da wir uns nicht sicher waren, ob man in der Schweiz wild zelten darf, haben wir unser Zelt 20 Meter hinter der Grenze in Italien aufgeschlagen ;)

Testa Grigia, Zelte im Schnee

Am Abend hatten wir das Vergnügen, einen wunderschönen Sonnenuntergang zu beobachten – danach folgte allerdings eine weniger angenehme Nacht.

Sonnenuntergang in den Bergen
Testa Grigia, Sonnenuntergang

Ich hatte nur einen Sommerschlafsack dabei, in dem ich schon auf dem Campingplatz gefroren hatte. Ich hoffte, dass ich mit allen Schichten, die ich dabeihatte, einer Rettungsdecke und den chemischen Wärmepads meines Freundes warm bleiben würde. Das hat leider nicht funktioniert… Ich habe mich ganz klein zusammengerollt, bin komplett in den Schlafsack gekrochen und bin trotzdem ständig aufgewacht. Um 6 Uhr morgens, als der Wecker klingelte, bin ich regelrecht rausgesprungen, habe mich neben dem Zelt im Schlafsack stehend auf und ab gehüpft, um mich aufzuwärmen, bevor die Sonne aufgeht. Dabei habe ich die Lichtpunkte am Matterhorn beobachtet – der Berg wurde von beiden Seiten angegangen…

Wir haben Zelte und Schlafsäcke abgebaut, unter den Felsen verstaut und sind nach dem Frühstück im Schutzhütte Richtung Breithorn aufgebrochen. Zuerst geht es über eine ganzjährige Skipiste.

Weg zum Breithorn

Die Skipiste führt bis zum Klein Matterhorn. Erst dort lassen wir die Lifte hinter uns und gehen auf einem ausgetretenen Pfad über den Gletscher.

Weg zum Breithorn

Ich wusste aus Erfahrung, dass ich auf Höhe eher schlecht reagiere, aber diesmal dachte ich, ich wäre ausreichend akklimatisiert. Erste Nacht auf 2400 m am Furkapass, am nächsten Tag auf gleicher Höhe vom Camping aus, dann eine Nacht auf 1400 m und die vierte auf 3400 m auf der Testa Grigia. Am Vorabend hatte ich leichte Kopfschmerzen, morgens ging es mir aber gut. Sobald es jedoch bergauf ging, merkte ich, wie schwach ich war… Selbst auf dem flachen Gletscherabschnitt musste ich alle 100 m kurz stehen bleiben. Als ich versuchte, schneller zu gehen, wurde mir übel, also beschloss ich, einfach langsam weiterzugehen.

Weg zum Breithorn

Ab ca. 3850 m wird es etwas steiler, bleibt aber relativ angenehm.

Weg zum Breithorn

Irgendwann habe ich nur noch Schritte gezählt: „Okay, 40 Schritte und Pause… oder vielleicht noch 10… und nochmal 10.“ Manchmal schaffte ich 70, gegen Ende waren es oft nur noch 30 und ich musste mehrmals tief durchatmen.

Schließlich bin ich aber doch oben angekommen :) Es hat sich gelohnt – die Aussicht war fantastisch!

Aussicht vom Breithorn

Auf dem Gipfel war ich nur ein paar Minuten, weil meine Freunde schon 1,5 Stunden auf mich warteten und wir langsam den Abstieg nach Zermatt antreten mussten. Ich habe es aber noch geschafft, eine schöne Panoramaaufnahme zu machen :)

Auf dem Rückweg fielen mir erst die unglaublichen Gletscherwände neben der Skipiste auf. Beim Aufstieg hatte ich sie gar nicht bemerkt.

Gletscher Breithorn
Gletscher Breithorn

Wir kehrten nochmal ins Schutzhütte ein, holten unsere Sachen unter den Felsen ab und stiegen ab. Das letzte Stück gingen wir schon im Dunkeln.

Steinböcke in der Schweiz

Welche Ausrüstung braucht man für das Breithorn?

Das Breithorn gilt als der einfachste (oder zumindest einer der einfachsten) Viertausender der Alpen. Der Anstieg ist technisch wirklich leicht und erfordert keine Kletterkenntnisse. Man geht jedoch über einen Gletscher, und hier stellt sich die Frage: Seil anlegen oder nicht? Ich weiß es selbst nicht genau ;) Viele Leute gehen ohne Seil hoch – wir auch –, aber einige benutzen eins. Der Gipfel ist sehr beliebt, der Weg gut ausgetreten und bei guten Verhältnissen kaum zu verfehlen. An manchen Stellen sah man jedoch, dass unter dem Schnee schmale Spalten waren, und eine war ziemlich groß. Bei 12 Grad und starkem Schmelzen fühlte sich das nicht besonders sicher an.

Gletscherspalte Breithorn

Ich war vorher noch nie auf einem solchen Gelände unterwegs und konnte das Risiko schlecht einschätzen. Das hat mich gestört. Wenn ich schon Risiken eingehe, möchte ich es bewusst tun. Beim nächsten Mal auf einen Gletscher gehe ich entweder mit jemand sehr Erfahrenem oder mache vorher einen Gletscherkurs.

Auf jeden Fall lohnen sich Steigeisen – und ich war sehr froh, dass ich meinen Eispickel dabei hatte. Teile des Weges führen entlang eines recht steilen Hangs. In Wirklichkeit sah es steiler aus als auf dem Foto.

Weg zum Breithorn

Es ist zwar schwer, von diesem Pfad zu stürzen, aber falls doch (was bei vielen Leuten und Gegenverkehr passieren kann), rutscht man ohne Eispickel wahrscheinlich bis ganz nach unten – direkt in die breite Spalte.

War jemand von euch auch schon auf dem Breithorn? Wie waren eure Eindrücke? :)

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