Niemand wird wohl bestreiten, dass die Tatra außergewöhnlich ist. Obwohl sie nur ein kleines Gebiet einnimmt, beeindruckt sie mit steilen Gipfeln und scharfen Graten. Ihr alpiner Charakter macht sie jedoch gefährlich und einige Wege sind definitiv nicht für jeden geeignet. Welche Wanderwege eignen sich für Anfänger, Fortgeschrittene und erfahrene Bergsteiger?

Die Tatra bietet Wanderwege für jeden – egal ob du leichte und kurze Touren magst oder schwere und anspruchsvolle – hier findet jeder etwas Passendes. Wichtig ist jedoch zu wissen, welche Wege nicht für dich geeignet sind, besonders wenn du keine Erfahrung hast, Höhenangst oder eine schlechte Kondition. Denk auch daran, dass die Farben der Wege NICHT den Schwierigkeitsgrad anzeigen wie auf Skipisten und dass in der Slowakei Rettungseinsätze kostenpflichtig sind – eine gute Versicherung ist daher sehr empfehlenswert.

Die folgende Einteilung in leichte, mittelschwere und schwere Wege ist meine subjektive Meinung. Wenn du eine andere Ansicht zu einem der Wege hast, schreib gerne in die Kommentare. Ich liste nicht alle Wege auf, da es einfach zu viele sind und ich auch noch nicht alle gegangen bin. Die Beschreibungen beziehen sich nur auf Sommerbedingungen. Im Winter können selbst mittelschwere Wanderwege sehr anspruchsvoll sein und sogar auf leichten Wegen besteht Lawinengefahr. Beachte auch, dass auf den höchsten Gipfeln manchmal bis in den Juni oder sogar Juli Schnee liegt – Steigeisen und Eispickel können also auch im Sommer nötig sein. Aktuelle Bedingungen findest du am besten in den Facebook-Gruppen: „Warunki w Tatrach“, „Aktualne warunki w górach“, „Aktualna sytuacja w Tatrach“, „Aktuálne podmienky na horách“.

Leichte Wanderwege in der Tatra

Chochołowska-Tal oder Kościeliska-Tal

Das Chochołowska-Tal und das Kościeliska-Tal gehören zu den beliebtesten Wanderwegen in der Tatra. Sie sind sogar für Kinder und ältere Menschen gut machbar, führen auf breiten Wegen mit nur geringem Höhenunterschied bis zu den Schutzhütten – auf die Polana Chochołowska oder die Hala Ornak. Unterwegs genießt man schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, der Nachteil ist jedoch die große Beliebtheit. An schönen Sommer-Wochenenden herrscht hier oft reger Betrieb und man kann Ruhe und Stille vergessen.

Weg zum Morskie Oko

Eine weitere sehr beliebte leichte Strecke führt zum Morskie Oko (Meerauge). Der Weg ist ca. 9 km lang und asphaltiert, weshalb er auch für Familien mit Kinderwagen gut geeignet ist. Landschaftlich ist der Weg nicht so spektakulär wie andere Tatra-Routen. Er führt meist durch Wald auf Asphalt und hat keinen echten Hochgebirgscharakter. Das Morskie Oko selbst ist jedoch ein unglaublich schöner Ort. Besonders empfehlenswert ist ein Spaziergang um den See und weiter zum nahegelegenen Czarny Staw pod Rysami (Schwarzer See unter den Rysy). Am besten früh morgens, bevor die Massen kommen.

Czarny Staw pod Rysami
Schwarzer See unter den Rysy

Westliche Tatra

Wenn du Menschenmassen vermeiden möchtest, findest du in der West-Tatra mehr Ruhe. Von der Schutzhütte auf der Polana Chochołowska kannst du über Wołowiec, Rakoń und Grześ wandern – tolle Aussichten und obwohl beliebt, deutlich weniger überlaufen als Kościeliska-Tal oder Morskie Oko. Sehr empfehlenswert ist auch die Überschreitung der Czerwone Wierchy (Rote Berge) auf etwa 2000 m Höhe. Der Weg führt über vier Gipfel: Ciemniak, Krzesanica, Małołączniak und Kopa Kondracka. Diese Tour ist konditionell anspruchsvoller als die vorher genannten, hat aber keine technischen Schwierigkeiten.

Blick auf Giewont von der Kopa Kondracka
Blick auf den Giewont von der Kopa Kondracka

Belianske Tatry (Bielska Tatra)

Die Belianske Tatry liegen in der Slowakei. Hier ist es meist ruhig, daher ideal, wenn du Ruhe und leichte Touren suchst. Sehr empfehlenswert ist der Wanderweg von Ždiar zur Schutzhütte Chata pri Zelenom Plese und von dort Abstieg auf dem gelben Weg. Mehr dazu im Artikel „Durch die Belianske Tatry zum Jagniecy Szczyt“.

Belianske Tatry
Belianske Tatry

Studená dolina (Kaltes Tal)

In der slowakischen Tatra gibt es weitere sehenswerte Wanderwege. An heißen Tagen ist der gelbe Weg von Tatranská Lesná entlang des Baches zu den Vodopády Studeného potoka (Wasserfälle des Kalten Baches) hervorragend. Weiter kann man zur Zamkovského chata gelangen. Für Anfänger geeignet sind auch der grüne Weg ab Starý Smokovec oder der blaue Weg ab Tatranská Lomnica.

Vodopády Studeného potoka

Mittelschwere Wanderwege in der Hohen Tatra

Giewont

Einer der populärsten Wanderwege in der Tatra, oft als anfängerfreundlich angesehen, ist der Weg auf den Giewont. Das letzte Stück hat jedoch eine starke Exposition und ist mit Ketten gesichert. Zusätzlich erschweren die von Millionen von Touristen glattgetretenen Felsen den Aufstieg. Viele Wege in der Tatra sind technisch schwieriger als der Giewont, dennoch ist er kein leichter Gipfel – für kleine Kinder, Menschen mit schlechter Kondition oder Höhenangst kann er durchaus herausfordernd sein. Mehr dazu: „Giewont – der populärste polnische Gipfel“.

Rysy von der slowakischen Seite

Die Rysy kann man sowohl von der polnischen als auch von der slowakischen Seite besteigen – die slowakische Variante ist technisch deutlich einfacher. Früher gab es einen kurzen Abschnitt mit Ketten, der inzwischen durch Metalltreppen ersetzt wurde. Heute ist der Gipfel auch für Anfänger machbar, vorausgesetzt man ist allgemein fit und konditionsstark.

Weg über die Bystrá lávka

Die Bystrá lávka ist ein Sattel in der Slowakei auf 2300 m Höhe. Der Weg dorthin ist allgemein recht einfach, erfordert aber etwas Selbstsicherheit im anspruchsvolleren Gelände. Am Sattel gibt es einen kurzen, schwierigeren Abschnitt mit Metallketten. Die Aussicht ist wunderschön. Der Weg führt am 25 m hohen Wasserfall Skok vorbei sowie an mehreren kleinen Seen.

Weg über die Bystrá lávka
Weg über die Bystrá lávka

Weg über die Priečne sedlo

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Weg in die mittelschweren oder schweren Kategorie einordne. Die Priečne sedlo auf 2352 m gilt als einer der schwierigsten Wanderwege in der slowakischen Tatra. Mir persönlich erschien er nicht besonders schwer. Er ist nicht einfach – er erfordert Resistenz gegen Exposition und gute körperliche Verfassung, ich empfehle auch einen Helm – aber im Vergleich zu den „schweren“ Wegen ist er deutlich leichter. Mehr dazu: Czerwona Ławka – gar nicht so schwer.

Weg über die Priečne sedlo
Weg über die Priečne sedlo

Schwere Wanderwege in der Hohen Tatra

Rysy von der polnischen Seite

Wenn du dich auf Bergwegen sicher fühlst, große Exposition magst, gute Kondition hast und atemberaubende Ausblicke genießen willst, dann empfehle ich die Rysy von der Nordseite. Mehr dazu: Wanderweg auf die Rysy – höchster Gipfel Polens

Blick auf Czarny Staw pod Rysami und Morskie Oko
Blick auf den Schwarzen See unter den Rysy und das Meerauge

Orla Perć

Der mit Abstand schwierigste Wanderweg in der gesamten Hohen Tatra. Sehr anspruchsvoll, schwer an einem Tag zu schaffen, mit vielen künstlichen Hilfsmitteln wie Metallstufen, Ketten und einer wirklich beängstigenden Leiter. Mehr dazu: Orla Perć – der schwierigste Wanderweg in der Tatra

Orla Perć
Orla Perć

Roháče

Manchmal als „slowakische Orla Perć“ bezeichnet, ist dies eine weitere sehr lange, anspruchsvolle Tour, die Resistenz gegen Exposition und sicheres Gehen im schwierigen Gelände erfordert. Mit Ketten und Tritten gesichert und mit fantastischen Aussichten! Mehr dazu: Roháče – der schönste Wanderweg in der Slowakei

Roháče
Roháče

Weg über Prielom und Poľský hrebeň

Im Gegensatz zu Orla Perć und Roháče, die viele schwere Abschnitte haben, gibt es hier nur einen wirklich schwierigen Teil – am Sattel Prielom. Dieser Abschnitt ist kurz, aber wirklich anspruchsvoll. Auch die weiteren Teile wie Poľský hrebeň und Východná Vysoká sind nicht einfach. Mehr dazu: Polski Grzebień in der Slowakei – sollte eine leichte Tour werden.

Rohatka
Prielom

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